Samstag, 20. Februar 2016

Was bleibt?

Nun ist es vorbei, mein kleines Abenteuer.

Wenn ich für jeden Satz "Das ist aber mutig." oder "Sie sind wirklich allein?" oder "Pass auf Dich auf." einen Euro bekommen hätte, hätte das meine Reisekasse ordentlich gefüllt. Ich hatte ja nach erster Euphorie dann auch meine Zweifel, als der Winter einbrach, ob ich nachts Angst haben würde, das große Wohnmobil usw. Nichts von dem hat sich als richtig herausgestellt. Dafür kamen andere Dinge auf mich zu, mit denen ich nicht gerechnet hatte und die auch größtenteils bei mir bleiben.

In jedem Falle war es eine großartige Erfahrung und diese Erfahrung konnte ich nur machen, weil Ihr da draußen mitgemacht habt. Ihr habt mich eingeladen, Eure (Lauf)Reviere kennen zu lernen, Ihr habt es zugelassen, dass ich Eure Küchen verunstalte, Ihr habt Euch für mich Zeit genommen und Ihr habt, alle, alle, alle mir eine so tolle Zeit beschert. Zum einen natürlich durch das, was Ihr mir gezeigt habt, zum anderen aber auch und vor allen Dingen durch die vielen offenen und tollen Gespräche. Ich kann gar nicht wiedergeben, was mir das bedeutet. Und nicht zu vergessen diejenigen, die mich hier auf dem Blog verfolgt haben und teilweise mit Kommentaren hier oder auf facebook oder per whatsapp teilgenommen/begleitet haben. Großartig. Wie soll ich Euch das nur danken?

Dazu kommen noch die vielen Geschenke, die ich bekommen hab. Bücher, Seife, Marmeladen, eingelegtes Gemüse, Hühnergott, Luftballon, Gedichte, Kuchen, Stoppersocken ... ach, ich hoffe, ich hab nichts vergessen. Ab und zu hab ich aber vergessen, meine Geschenke abzugeben. Grmpf.

Ich möchte gerne noch mal für mich, für Euch als Dank das namentlich zusammen fassen:

Danke an Bine, Tobias und Karl in Mechernich. Danke an Karin, Rainer, Anne in Trier. Danke an Pia, Martin und Hans in Pirmasens. Danke an Norbert in Basel. Danke an Kerstin, Victor und Aurelia in Ravensburg, Danke an Gabriele, Herbert, Uschi, Sylvia, Stefan, Jerry, Lizzy, Volker in München. Danke an Doris und Chaya am Wallersee. Danke an Katrin und Daniel in Oberursel. Danke an Heidi und das italienische Brötchen in Frankfurt. Danke an Daniela in Neuwied. Danke an Volker und Jens in Oldenburg, Danke an Lutz, Nina, Marie, Claudia, Gerd und Katrin in Bremen. Danke an Margitta und Mann an der Ostsee. Danke an Lea in Berlin. Danke an meinen Besten in Berlin. Danke an Anett im Schlaubetal.



Von 40 Menschen (die Hunde sind mitgezählt;-), die ich auf der Reise getroffen hab, kannte ich 15 vorher persönlich, die anderen nur übers Netz.

Vielleicht kann man aus diesem Verhältnis erahnen, wie besonders es gewesen ist, sich jedes mal neu einzulassen (von beiden Seiten), sich zu öffnen, sich dort - und das hab ich IMMER - nicht fremd zu fühlen. Ich hab oft in anderen Wohnzimmern gesessen und ich hab mich immer zu Hause gefühlt. Unglaublich. Wie oft hab ich in fremden Küchen hantiert und wurde gelassen. Irre. Ich Worte kann ich all das, was ich über die Reise denke, gar nicht zusammen fassen.

Während der Reise las ich ja das Buch "Das grosse Los" von Meike Winnemuth, die ein Jahr lang jeden Monat in einer anderen Stadt auf der Welt verbrachte. Sie hat nach jedem Monat ein Fazit gezogen, was sie gelernt hat. Das möchte ich ihr nachmachen... Achtung, kann lang werden:
  • Wohnmobile lassen sich genau so gut fahren wie ein VW Tiguan - hilfreichst natürlich eine Rückfahrkamera.
  • Auf Schnee fahren geht mit einem WoMo mindestens genau so einfach wie mit einem normalen PKW.
  • Chemie-Toiletten gehören zeitig geleert.
  • Schwere Sachen sollte man nicht in die oberen Fächer legen (sagen die im Flugzeug auch immer), die fallen bei Öffnung der Klappen nämlich raus und so ein Pürrierstab hinterlässt fiese Spuren auf dem Tisch - im übrigen mein einziger Schaden, den ich am WoMo verursacht hab. 
  • Fische essen von Gurkenscheiben nur das Innere.
  • Es gibt Campingplätze, die mit (schrecklichen) Worten nicht zu beschreiben sind.
  • Man kann Hefeteig sowohl mit Thermoskannen als auch mit Wasserflaschen ausrollen - kalte Wasserflaschen eigenen sich hingegen nicht so gut.
  • Gehe offen auf Menschen zu und sie werden Dir mit gleicher Offenheit begegnen.
  • Es gibt keine "Fremdelei", die man nicht überwinden kann. Gab es überhaupt Fremdelei? Ich erinnere mich gar nicht. ;-)
  • Nicht zu viel nachdenken - nicht zu viel interpretieren sondern das, was man möchte, klar sagen - anders wäre ich durch die Reise nicht durchgekommen und macht das Leben unglaublich unkompliziert.
  • Man kann sich fast jeden Tag auf neue Menschen einstellen - fast.. ab und zu braucht man Pause und ab und zu sind bekannte Menschen auch eine Wohltat und ein Anker.
  • Ich kann einen halben Hausstand in einem Wohnmobil unterbringen.
  • Rechne mit dem Reiseblues. Bei langen Fahrten oder einsamen Tagen oder auch durch intensive Gespräche wird man auf einmal mit Gedanken konfrontiert, mit denen man nie gerechnet hätte.
  • Nehme genügend Taschentücher mit (s. Punkt vorher).
  • Treiben lassen, nicht zu viel planen, keinen Druck aufbauen (das muss... ich .. ). Nichts muss man, alles kann man. Nur so wird eine solche Reise gut.
  • Plane nicht mit einem Sportvolumen bei einer solchen Reise - es kommt gänzlich anders. Ein Glück, dass ich das Fahrrad nicht auf den Träger gebracht hab. Ich hätte es eh nicht nutzen können.
  • Kieser ist für eine solche Reise großartig. Überall trainieren und immer ne Dusche vor Ort. Ich hab 10 verschiedene Kieser besucht.
  • Man kann bei einer Cook-Reise abnehmen, wenn man sich nur tagsüber ein wenig benimmt und doch bewegt.
  • Eine plötzlich offene Türe am WoMo auf der Autobahn muss keine Panik auslösen. Langsam weiter fahren bis... in unendlicher Ferne... ein Parkplatz kommt.
  • Eine solche Reise zu unterbrechen birgt Risiken. Ist noch gut gegangen, würde ich aber möglicherweise anders machen.
  • Lesen bei einer solchen Reise fast unmöglich.
  • Lass jeden das und wie Kochen, wie er/sie mag. Von "Ich bring alles mit." über "Wir suchen gemeinsam aus und gehen gemeinsam einkaufen." bis zu "Ich setze mich an den gedeckten Tisch." war alles dabei und alles war genau so richtig.
  • Vegan ist doch oft noch nicht so bekannt, wie ich dachte.
  • Bei Mutigen probier ruhig Tofu aus.
  • Mc Café hat wieder Sojamilch - in Kombination mit WLan für eine solche Reise einfach toll.
  • Es gibt Zeitpunkte, da hat man zu viele Abschiede am Stück.
  • Du kommst anders wieder als Du losgefahren bist. Stell Dich drauf ein oder lass es bleiben.
  • Es wird nicht meine letzte Reise sein, die anders ist als das, was man vornehmlich als Urlaub versteht. Was,wie und wo, das weiß ich noch nicht. Auch hier.. einfach drauf zu kommen lassen. 
Irgendwann hab ich angefangen, Selfies zu machen und die als Grüße auf Facebook zu stellen - hier noch mal meine Selfies - nicht in der korrekten Reihenfolge.


Wenn ich in die Zukunft schaue, höre ich mich jetzt schon häufig sagen "Damals, auf meiner Reise...." und werde erzählen und mich erinnern. DANKE!!!!!

Tag 34 - Heimkehr II

Probanden: Mein Bester und ich

Sport: Kieser-Training, Wohnmobil putzen, FC-Derby überstehen

Essen: Crepes Meriem (gefüllt mit veganem Hack, Bohnen und Mais... hmmm)

Heimkommen geht in Etappen, physisch ist man sofort da, psychisch braucht man ne Weile. Ich dachte mir, dass es eine gute Idee ist, das Heimkommen mit schönen Aktivitäten zu verbinden, z.B. dem Begleiten des Fußball-Derby Mönchengladbach gegen 1. FC Köln in der Lieblings-FC-Kneipe. Danach nen Liebliengs-Crepes - könnte funktionieren.

Vorher steht aber die erste Nacht bevor und die ist himmlisch. Ich schlafe schon auf dem Sofa ein, setze das in meinem Bett fort und schlafe tief und fest... endlich. Das war so dringend notwendig.

Den Tag starte mit dem Kieser - seit langem nicht, um dort die Duschen zu benutzen, da ist meine zu Hause mir dann doch lieber. Wieder große Augen, als ich mit dem Wohnmobil vor fahre... immer große Augen (zumindest bilde ich mir das ein), wenn ich als Frau so ein Ding steuere, dabei ist es wirklich leicht, liebe Leute. Aber das ist ja auch bald vorbei.

Nach dem Training (auch schon schön, wenn man die Maschinen nicht suchen muss) noch schnell das Schwarzwasser an der Station ablassen und dann ist das WoMo um alles erleichtert, was nicht reingehört.

Der Beste bringt Brötchen mit und wir frühstücken gemeinsam. Ich räume die restlichen Utensilien aus dem WoMo und nachdem ich nicht sonderlich viel Lust dazu verspürte, schnappte ich mir Eimer und Warmwasser, um den Innenraum gründlich zu reinigen.

Und siehe da... es macht Spaß und es dauert mir gar nicht lang genug. Ein schönes Ritual, sich zu verabschieden. Von dem WoMo, von der Reise, von Gedanken und Gefühlen. Ein paar Tränen kullern, geht aber auch schnell vorbei, als der Nachbarknirps neugierig das Fenster öffnet, mich ausfragt und mir mit Tipps und seinem Equipment (Bauhelm, Baubrille) zur Seite stehen will.

Nach getaner Arbeit noch ein paar Fotos als Erinnerung - ich hab wenig im WoMo fotografiert auf der Tour. Hier hab ich also 5 Wochen gewohnt.


Küche

Schlafzimmer

Bad - die Dusche hat mir zwar mehrmals unfreiwillig geduscht aber ansonsten blieb sie unbenutzt.

Tschüss, geliebtes WoMo!
Wohnraum/Fahrerkabine. Den Sitz kann man drehen - dort hab ich gesessen und gelesen, wenn ich Zeit hatte.
Morgen werde ich das gute WoMo abgeben und ich hoffe, dass ich die Tränen gestern dazu schon geweint hab. Alles andere wäre ja peinlich.

Gerade so fertig und dann müssen wir auch schon los. Mind. 1 Stunde vorher in der Lieblings-FC-Kneipe sein, sonst bekommt man bei solchen Spielen keinen Sitzplatz. Während Frank noch nen Parkplatz sucht, suche ich die Sitzplätze. Und hier.. nur eine kleine Auswirkung dessen, was ich auf der Tour gelernt hab... es sind schon die meisten Plätze weg, nur noch Bierbänke, die auf die lange Dauer unbequem sind. Ich stehe auf und frage mich an verschiedenen Tischen nach Optionen durch - einfach fragen, nicht lange nachdenken. Klappt auf den ersten Blick nicht aber nach 10 Minuten kommt der Herr, der mir recht mürrisch ein "besetzt" entgegen geschleudert hatte, auf mich zu und bietet mir seinen Tisch an - geht doch!

Das Spiel ist spannend.


Das Bier kalt und lecker.


Die Stimmung angespannt bis aufgeheizt.


Wir verlieren mit einem 1:0 aber es war schön, das zu erleben, die Atmosphäre zu schnuppern. Dafür liebe ich mein Köln.

Meine Meriem hat sich fürs Foto jetzt nicht aufgehübscht aber sie gehört auch mit zum Bericht. Lecker ist sie nämlich und vegan und das in unserer Lieblings-Crepes-Kneipe, in die wir schon über 20 Jahre gehen.


Wieder schlafe ich auf dem Sofa ein und schleppe mich nur noch ins Bett um noch eine Nacht tief und fest zu schlafen. Meine Güte, hab ich das gebraucht.

Freitag, 19. Februar 2016

Tag 33 - Heimkehr

Probanden: Me and my mobile home

Sport: Wohnmobil ausräumen

Essen: German soul food: Sauerkraut mit Kartoffelstampf untereinander

Tja, das war nichts mit einer ruhigen Nacht. Zu viel Geräusche, die ich von entfernten Straßen und Zugstrecken wahrnehme. Ich hab schon viel Wohnmobil-Urlaube gemeinsam mit meinem Besten gemacht. Noch nie ist mir die Geräuschsensibilität so aufgefallen. Liegt sicherlich daran, dass in Canada oder Island in den Urlaubsgebieten so wenig Durchgangsverkehr ist. Die Verkehrsdichte und die vielen Stellplätze, die sich dem nicht entziehen können, rauben mir den Schlaf. In den Wohngebieten, in denen ich häufig genächtigt habe, war das meist anders. Aber auf offiziellen Stellplätzen ist es einfach meist laut.

Und so steht morgens mein Entschluss. Ich höre auf. Ich "ziehe" nicht bis Sonntag durch sondern ich fahre heim. 2 Tage früher. Ich gehe nicht über Los, ich ziehe keine 4.000 Euro ein und ich besichtige auch nicht mehr Münster.

Ich nutze die Entsorgungsstationen noch auf dem Campingplatz und bereite das WoMo soweit vor und dann gehts heimwärts. Zur Frühstückszeit laufe ich schon "Downtown Wohnort" ein, hole mir meine Lieblings-Sprossen-Brötchen und bekomme nen Parkplatz direkt vor der Haustür.

Wie immer, ist alles gut so, wie es kommt. Ich kann "alleine" im Heim einlaufen. Erstmal ankommen.

Der kleine Reisebär, den ich zu Hause vergessen hatte, hatte sich vor lauter Gram schon in mein neues Haushaltsgerät gestürzt. Diesen Blender von Kitchen Aid wollte ich schon lange haben und mangels Platz auf der Küche wurde der immer wieder "gestrichen". Mehr von meinem Besten, der ja bei uns der "Schmücker" ist. Aber nun genau von ihm hab ich das in meiner kurzen Karnevalspause überreicht bekommen... yeah.

Aber zurück zur Rückkehr. Ich gehe es langsam an. Stück für Stück hole ich meine Sachen aus dem WoMo. Meine Güte, was hab ich da alles mitgeschleppt - vor allen Dingen Küchenutensilien.

Ich hole eine Fuhre rauf, dann koche ich mir nen Soja-Latte aus der tollen Maschine, dann leg ich mich auf die Couch und schlafe ne Runde, dann lese ich das Buch von Frau Winnemuth weiter, dann ergebe ich mich dem Reiseblues und halte mich weiter mit dem Buch von Frau Winnemuth auf und weiß, dass ich damit nicht allein bin, also mit dem Reiseblues. Und dann hole ich die nächste Fuhre... usw.

So hab ich Zeit genug, in Ruhe anzukommen, bis mein Bester abends von der Arbeit kommt.

Ich hab so Lust auf Sauertkraut mit Kartoffelpü, dass ich mich noch mal in "normale" Klamotten begebe und zum Edeka latsche, um Kartoffeln zu holen. Es MUSS heute Sauerkraut untereinander geben. Ich brauch das und bekomme es.

Es ist das Ende der Reise aber auch noch nicht. 1-2 Einträge werden noch kommen. Auch der morgige Tag wird noch mit Ankommen beschäftigt sein und für mich werde ich das festhalten. Nicht in aller Tiefe aber ein bisschen. Und ein Fazit gibt es, schon fast fertig geschrieben. Hier ist also noch nicht Ende, liebe Leute. :-)

Tag 32 - Leipzig/Münster

Probanden: Anja

Sport: Kieser, Stadtwanderung

Essen: Soja-Gulasch mit Soy-Pasta

Aufgewacht in Dresden. Trotz der Nähe zur Stadt ging die Nacht sogar noch ganz gut. 900m zu Fuß entfernt in der Neustadt liegt ein Kieser. Und es wird Zeit - Zeit für Training, Zeit für eine Dusche. :-)

Danach in der Markthalle noch einen schönen Soja-Cappu geordert und damit zurück zum WoMo. Eigentlich wollte ich ja die A4 fahren und Halt in Erfurt und Eisenach machen - aber hey, da war ich doch schon. In Leipzig war ich noch nie. Auf nach Leipzig. Erwähnte ich schon, dass es schön ist, diese Entscheidungen so spontan treffen zu können?


Nach dem dunklen Tag gestern endlich wieder Sonne, die fehlt mir die letzte Zeit doch sehr. Zu viel trübe Tage. Also setze ich mich auf dem Rathausplatz und genieße ein Frühstück in der Sonne. Es ist zwar kalt aber es ist schön.


Ohne Ziel laufe ich kreuz und quer durch die Stadt. Ähnlich wie in Nürnberg ist sie für mich so schwierig, fotografisch festzuhalten. Zu groß die Gebäude, zu wenig Platz, um sie vernünftig abzulichten.


Deswegen gibt es auch nur wenige und vor allen Dingen abgeschnittene Fotos.






Es lohnt sich auf jeden Fall - Leizpig ist eine tolle Stadt. Ich beschließe, weiter zu fahren, als die Sonne sich hinter den Wolken verkriecht. Nach langem Fahren und Überlegungen fahre ich schlussendlich bis Münster durch. Was ne Fahrt - ich bin ja lange Autofahrten gewohnt aber 600km mit nem WoMo am Tag fühlen sich doch anders an als mit ner normalen Karre. Ich fühle mich zwar sicher in dem Ding aber es fährt langsamer und irgendwie war ich kaputt.

Damit ich gut schlafen kann, fahre ich einen guten Campingplatz an - ist auch wirklich schick (Sanitäranlagen und so) aber ich werde eine unruhige Nacht haben - zu viel Straßengeräusche mal wieder.

Vorher wird aber gekocht - Sojagulasch mit Sojanudeln... ziemlich viel Soja für ein Gericht. Sojasauce war auch noch drin. ;-) Geschmeckt hats... Foto gibts keins.

Tag 31 - Festung Königstein/Dresden

Probanden: Just me

Sport: Ca. 12km Wanderung - davon 6km zur Festung Königstein, Rest in Dresden

Essen: Kartoffelsuppe mit veganen Würstchen (Mittag) und Tapas in der Touri-Hölle

Erwähnte ich schon, dass ich mich (außer den Verabredungen natürlich) von einem Tag zum nächsten hangele. Nichts ist geplant und das ist wunderbar. Meist ergeben sich dann aus Tipps der "Probanden" wunderbare Ziele, wie auch in dem Falle.

Ganz, ganz früh mach ich mich auf den Weg. Es ist noch dunkel, als ich das Wohngebiet von Anett verlasse. Die Wetter-App hatte für den Vormittag noch Sonne angesagt: Ziel ist Festung Königstein - das muss man gesehen haben, hab ich gehört.

Aber erstmal muss man heile ankommen. Bei Dunkelheit gar nicht so leicht in einem so dicht bewaldeten Gebiet. Das Reh und ich wir hatten beide Glück.. 3 Sekunden später aber nicht weiter drüber nachdenken.

Was ich über die gefühlt ewig lange Strecke bis zur Autobahn an Landschaft sehe, ist unbeschreiblich. Als die Sonne in dem weiß bepuderten Gebiet aufgeht, ist es grandios. Aber... es gibt in der Tat auf der Landstraße keine Option, mein WoMo mal anzuhalten und das fotografisch festzuhalten. Ich verzichte aus guten Gründen auf Free-Style während der Autofahrt.

Zwischendurch überleg ich, ob ich mal das Navi überprüfen soll, ob ich "Autobahn vermeiden" eingegeben hab... es dauert ewig, bis mich ein blaues Schild anlacht und ich etwas entspannter Richtung Königstein fahren kann.

Ich parke im Ortskern, um zur Festzung hochzulaufen. Man kann dort auch direkt parken aber wer will das schon. Ich zumindest nicht.

Was mich hier auf dem ersten Foto so beeindruckt, sind die Hochwassermarken. Das zweite von Oben ist das 2002er-Hochwasser. Unglaublich, oder? Der Ort auch wirklich zuckersüss, der Anstieg zur Festung nicht ganz so.


Aber als die ersten Aussichten zu sehen sind, lohnt sich jede Anstrengung (generell sowieso).


Die Festung wirkt von Außen schon gigantisch.. wenn man dann hier durch den Eingang kommt und sich vorstellt, dass hier Wägen mit Pferden hoch mussten.. (es gab Wagenseile). Grandios.


Und als ich dann an den Festungsmauern entlang laufe, kommt ein Ohhh und ein Ahh nach dem anderen. Auf Bildern nicht festzuhalten aber ein wirklicher Traum, ein heute weiß gepuderter Traum.





Hier komme ich mit einem Herrn ins Gespräch, der aus Neubrandenburg kommend auch alleine unterwegs ist. Wir sind uns einig, dass wir zwar nicht die beste Reisezeit gewählt haben (er verbummelt den Resturlaub auf den Spuren seiner Kindheit) aber heute dafür belohnt werden - und natürlich generell belohnt werden, dass man dann auf so einer Festung fast alleine ist.



Ein wirkliches Muss, wenn man in der Nähe ist. Auf- und Abstieg inkl. Umrundung waren 6km - das hat sich mal echt gelohnt.

Dass sich das nächste Ziel lohnt, das weiß ich ja schon. Nicht mein erster Besuch in Dresden. Ich tue mich zwar mit der Stellplatzsuche schwer, ende aber letztendlich direkt gegenüber der Altstadt und nur 900m vom nächsten Kieser weg, was mich am nächsten Tag bzgl. Dusche retten wird.

In Dresden schneit es fortwährend, auch nicht wirklich gemütlich. Deswegen gibt es auch hier wenig Fotos aber es war nicht ganz so fröstelig wie in Berlin. Aber Fotos von Dresden bei strahlendem Sonnenschein hab ich auch schon zu Genüge.



Das Foto entsteht, weil die Straße Richtung Frauenkirche üblicherweise von Touristen überströmt ist, man muss sich durchquetschen - so sieht es heute aus.



Und gerade, als ich mich frage, warum in einer so schönen Gegend und in einer so schönen Stadt, so viel verwirrte rechte Genossen wohnen, sehe ich, dass das vielen Dresdnern auch nicht gefällt.


An der Semper-Oper wechselnde Zitate gegen Rechts auf der LED-Wand.


Der Zwinger - auch im Schneeregen noch schön und noch nie so leer gesehen.



Und wieder...


Den Abend beschließe ich nach einem Kinofilm mit Tapas in der Touri-Meile und bin früh zurück in meinem WoMo.


Tag 30 - Schlaubetal

Probanden: Anett

Sport: Ca. 10km Wandern

Essen: Mediterrane Gemüsepfanne aus der High-Tech-Küche

Die Anett... auch so eine "alte" Internetbekanntschaft aus der Laufen-Aktuell-Zeit. Schon ewig ist man sich virtuell über den Weg gelaufen aber die räumliche Distanz ist nun wirklich so groß, dass persönliche Treffen unwahrscheinlich sind.

Um so mehr freute ich mich, als Anett sich meldete, sich extra einen Tag für mich frei nehmen möchte, um mir das Schlaubetal zeigen. Die "Kenner" der alten Szene können sich noch an die Entstehung des Schlaubetal-Marathons erinnern - damals, als Schnatterinchen noch dort wohnte und das ins Leben rief.

Immer schon wollte ich in dieser schönen Landschaft mal nen Halben bestreiten - nie hat es geklappt. Ok, ein Halbmarathon wird es jetzt auch nicht aber ein halber Halber.

Ich verlasse sehr früh in Köpenick den WoMo-Stellplatz - wir wollen bei Anett gemeinsam frühstücken und gegen 8.30 (hab ich das Recht in Erinnerung?) schlage ich tatsächlich auch dort auf. Nicht aber, ohne vorher schon zu bemerken, wie dünn besiedelt das Gebiet in der Nähe von Frankfurt/Oder ist - ich fahre ewig über Landstraße - durch wunderschöne Landschaften - bis ich vor Ort eintreffe.

Anett so fröhlich und freundlich, wie man das auf den Bildern sieht. Die (beneidenswerte) Küche schon mit Frühstück gedeckt - Aufstrich für mich, Obst, Sojamilch - alles am Start.

Ich bestücke noch die Waschmaschine und dann marschieren wir auch schon los (bzw. fahren noch ein kleines Stück bis zum Wanderweg).

Natürlich sind um die Jahreszeiten alle Landschaften nicht so berauschend, wie im Frühjahr oder hier im Herbst. Trotzdem kann man schon gut erkennen, wie schön es hier ist (deshalb folgen auch viele Bilder).



Die 20 steht hier nicht umsonst am Baum. Das ist DER 20. Kilometer des Schlaubetal-Marathons.


Ein Bilderrahmen lässt uns den Blick auf diesen umgefallenen Baum fokussieren. Hier wird nicht aufgeräumt, sondern alles der Natur überlassen - wie es wohl auch sein sollte.


Ein Zeichen, ein Zeichen... :-)




Anett hat (vegane) Muffins gebacken, Tee gekocht und wir pausieren im Schlaubetal.




Und marschieren nach der Wanderung noch ein romantisches Stück an der Schlaube lang.



Nach dieser wirklich wunderbaren und auch flotten Wanderung gehts kurz heim, Wäsche aufhängen, kleinen Mittagssnack inkl. Piccolöchen ...


 und dann fahren wir nach Neuzelle, um die barocke Klosteranlage Neuzelle anzuschauen.

Wenn man sich vorstellt, dass das die DDR-Zeiten so überstanden hat - diese üppige Ausstattung kennt man ja sonst nur aus süddeutschen Gefilden. Toll.



Und damit die Protestanten nicht ganz blöd aus der Wäsche schauen, gibts für die auch noch ne schicke Kirche - auch Innen pompös ausgestattet, konnten wir aber nur durchs Fenster anschauen.


Auf dem Hin- und Rückweg cruisen wir noch durch die Stalinstadt - stalinistische und schön restaurierte Architektur in Eisenhüttenstadt - einer künstlichen Stadt, ähnlich wie wir das ja auch von unserer Bayer-Town kennen. Fürstenstadt, das man hier auf dem Bild sieht, ist eigentlich der Urpsprung dieser künstlichen Stadt.


Und das, was man in dieser schönen Lichtstimmung sieht, ist Polen - mein Smartphone bekommt den ganzen Tag schon einen Herzinfarkt nach dem anderen - bin ich in Polen? Bin ich in Deutschland? Also.. wir sind sehr nah an Polen.


Und wenn man sich anschaut, was wir alles gesehen haben, ist klar, dass es wieder Zeit fürs Kochen wird. In Anetts beneidenswerter Küche (erwähnte ich das?) gibt es mediterranes Gemüse aus dem Ofen  - aber eben nicht irgendein Ofen sondern ein kombinierter Dampfgar-Ofen. Unser Gemüse ist dann also nicht nur gebacken sondern auch dampfgegart - und lecker - und mit viiiiel Knoblauch.


Zur späteren Stunde kommt dann auch noch der Herr des Hauses und wir quatschen, bis ich mit einem Glas Rotwein zu viel in mein kleines Heim klettere.

Und wieder.. ein toller Tag, eine tolle Begegnung und Anett, ich verspreche... sollte ich mal wieder ne bekloppte Idee haben, ich komme auf Dich zu. Danke für den Verwöhntag!