Freitag, 22. Januar 2016

Tag 8 - Wangen/Allgäu

Probanden: Just Anja


Sport: 13km Wandern, Kieser-Training
 
Essen:Kartoffel-Paprika-Gulasch
 
Was tun am "freien Tag", also dem ersten Tag ohne Verabredung. Wandern möchte ich gerne, weil das Wetter sich anschickt, sehr hübsch zu werden. Wangen schlug Kerstin mir vor. Ich stehe schon gestiefelt und gespornt um 7.30 Uhr in der Wangener Innenstadt - ein wenig zu früh. Die Tourist-Info öffnet um 9.00 Uhr. Ich schlängel mich ein wenig durch die Gassen - hübsch ist es hier. Ein ansprechendes Café serviert mir gegen Geldleistung einen Café - Sojamilch ist hier noch nicht angekommen.


Findet außer mir dieses Bild noch jemand witzig?




Wenn man eine solche Reise macht, dann ist nicht alles einfach toll. Dann gibt es auch Krisen. Man hat Zeit, nachzudenken, man ist nicht durch Arbeit "abgelenkt". Darauf war ich eingerichtet und es war so. Eigentlich schon gestern.

Was machen Mädchen, wenn sie Krisen haben? Na? Klar.. Schuhe kaufen.

Wobei ehrlich gesagt, hab ich einfach die falsche Schuhwahl für Städtewanderungen mitgenommen. Mir taten dermaßen die Füße weh, dass ich ne Lösung brauche. Und als ich dann in das Schuhgeschäft in Wangen gehe, haben die El Naturalista im Winterschlussverkauf (ja, das ist nicht vegan). Wer diese Schuhe schon mal getragen hat weiß: Reinsteigen, Wohfühlen! Die gehören mir.



Was aber noch besser gegen Krisen hilft, ist Wandern im Schnee. Also stapfe ich auf eine Runde los, die mir in der Tourist-Information (zu Recht) empfohlen wurde. Wie so häufig, sind die Eindrücke auf Fotos nicht festzuhalten. Aber tolle, tolle Landschaft. Der Schnee knirscht unter den Schuhen, die Sonne versucht, sich mit Gewalt durch die Wolken zu drücken. Gehöft um Gehöft quert meinen Weg.




Ich begegne keiner Menschenseele. Welch Frieden auf dem Weg.





Nach dem Rundgang treibt es mich noch zum Eistobel. Ein Wasserfallarrangement. Auf dem Parkplatz komme ich kurz in ein Gespräch mit einem Franzosen, der dort ein Päuschen macht. Er spricht ein verständliches Englisch.. das kommt mir fast schon spanisch vor. Auf dem gesamten Weg hab ich Angst, dass er mir mein Wohnmobil ausraubt, dabei wollte der gute Mann dort nur pausieren.


Auf den ersten Metern mach ich fast wieder kehrt. Es ist dermaßen glatt, um in die Schlucht zu kommen. Ein Wanderer, der mir mit Spikes unter den Wanderschuhen entgegenkommt (unfaire Mittel) ermutigt mich - Gott sei Dank.

Zwar ist die Sonne hier unten kaum zu sehen aber die Winterlandschaft einfach zauberhaft.



Die Fälle sind heute Diven und lassen sich ganz fürchterlich fotografieren.



Ab und zu rieselt Schnee von den Bäumen, wenn es die seltenen Momente sind, in denen Sonne im Tal ist, glitzern die wie Feenstaub.



 
Der Franzose hockt (bzw. schläft) immer noch auf dem Parkplatz und hat mein Wohnmobil unberührt gelassen. Er ist nett und will mit mir ins Gespräch kommen. Ich hab von meinen Eltern gelernt, nicht mit fremden Männern zu sprechen und halte mich nach kurzen höflichen Antworten daran. Eigentlich schade, wäre sicherlich ein nettes Gespräch geworden aber man weiß ja nie. Ich glaube, er wundert sich ein wenig, dass die kleine Frau alleine mit dem Wohnmobil durch den Schnee fährt.

Ich mach mich auf durch die Winterwunderlandschaft Richtung München. Kurz Halt beim Kieser und dort Training sowie Dusche genossen.

Bei Gabriele (die privat unterwegs ist) eingeparkt und ihren Mann rausgeklingelt. Der konnte gar nicht verstehen, dass ich mir mein Essen noch in meinem kleinen Heim zubereiten möchte. Aber das ist so. Das ist einfach im Moment mein zu Hause.
 

 
Nun sitze ich gerade ganz nett hier bei Gabriele im Haus mit ihrem Mann im Wohnzimmer. Wir schauen Fußball, unterhalten uns ein wenig und trinken Rotwein. Der Tag geht gut zu Ende und die Krise ist überwunden. Ein umfangreicher Tag liegt wohl vor mir. Ich freue mich darauf.

Kommentare:

  1. Hej my dear - SO! schöne Eindrücke und -blicke, die Du uns hier gibst: Dankeschön! (Und Du fixt mich gerade richtig an für WoMo-Trips, kannseführ..)

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    1. Hey Honey! Das musste machen, das macht echt Laune, wenn man sich damit arrangiert, zwischendurch auch mal ein wenig Arbeit zu haben (Toilette entleeren, Wasser auffüllen, Kabeltrommel auf- und abrollen etc.). Ich finde das echt die beste Reisemöglichkeit und es lässt sich echt gut fahren. Also.. meine Liebe.. mach ruhig mal.

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  2. Ich hätte jeden Tag eine Krise, da ich Abschiede immer schlecht wegstecke. Jeden Tag ein Abschied wäre mir zuviel.

    Von daher sage ich mal: Eine gute Quote bei Dir! :-) Und dann hat Dir noch Feenstaub geholfen! :-)

    Viel Spaß in München.

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Ja Volker, der Feenstaub, der war es. :-)

      Bis bald!
      Anja

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  3. So eine Krise ist wohl unvermeidlich - und beschert uns dann die gute Erfahrung, dass wir gelernt haben, mit solchen Situationen umzugehen und uns am eigenen Schopfe wieder rauszuziehen. Schuhekaufen hilft - kenn ich auch! In der Natur unterwegs zu sein noch mehr - zumal wen es eine so fantastisch schöne ist wie die auf deinen Fotos! :-)

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    1. Ja Anne, das ist die Weisheit des Alters. :-) Früher hätte mich das verzweifeln lassen, heute weiß ich, dass es vorbei geht und ja auch für irgend etwas gut ist.

      Natur geht bei mir auch über Schuhe, ganz sicher.

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  4. Liebe Anja,

    wer kennt solche Phasen nicht, aber du wusstest dich zu trösten, zum Glück geht alles vorbei, die nächste Tür geht auf, der nächste Tag erwartet uns.

    Nun hast du auch Schnee, was für eine schöne Welt.

    Pass' gut auf dich auf und weiterhin viel Glück auf allen deinen Wegen und eine mordsgute Stimmung !

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  5. Liebe Anja,
    Krisen sind super, wenn man (so wie du) weiß, was man mit ihnen machen soll/kann! Nachdem du dich die letzten Tage in einer meiner Lieblingsgegenden rumgetrieben hast, muss ich aufpassen, dass ich nicht in eine "Will-weg-Krise" schlittere, dich in ein paar Tagen hier in den Keller sperre und mich mit deinem WoMo davon mache! ;D

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    1. Oh Doris, Du machst mir Angst. Soll ich mir das mit dem Besuch am Wallersee noch mal überlegen? Hab ich Deine Adresse eigentlich schon? Vielleicht FB PN?

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  6. Dachlawinenwarnung für Hunde und sonstiges Kleingetier ;) ich finde das auch witzig! Und ein Besuch in Wangen und der Feenschlucht scheint sich zu lohnen. Ob ohne oder mit Krise.

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    1. Ja, Lizzy - du verstehst mich. Ohne Krise wäre schöner aber wer kann sich das schon so aussuchen.

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  7. Liebe Anja,
    nett scheint es in Wangen und Umgebung zu sein. Ja, bei der Begegnung mit dem Franzosen wäre mir auch mulmig. Wahrscheinlich tut man Menschen damit Unrecht, die Quote der Bösewichte ist ja immer noch deutlich niedriger als der Anteil der vertrauenswürdigen Mitmenschen. Aber man weiß ja eben nie, wen man vor sich hat. Blöd ist das! Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Du nur Netten begegnest!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,

      ja, wahrscheinlich tut man Unrecht. Dem war echt nach Kommunikation. Der hat sich wahrscheinlich nicht auf den Wanderparkplatz gestellt, weil das möglicherweise ne allein reisende Frau mit Wohnmobil vorbei kommt. :-) Wie dem auch sei.. ich hab so viele Menschen auf der Tour, da kann ich auf so einen Franzosen wohl verzichten.
      Gruß
      Anja

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  8. Liebe Anja,

    als Wohnmobilistin gehörst Du inzwischen ja schon zu den Profis. Tolle Fotos aus den Bergen. Da hätte ich Dich so gerne begleitet und auch ein wenig vom Feenstaub abbekommen.

    Ich hoffe, die kleinen Krise ist wirklich überwunden. Wenn es Heimweh oder Abschiedsschmerz war, ist das vermutlich normal. Ich hoffe, es hat nichts mit Deiner alten Verletzung zu tun. Da habe ich do so sehr die Daumen gedrückt ...

    Liebe Grüße
    Rainer

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    1. Lieber Rainer

      das Wort Heimweh findet sich in meinem Wortschatz nicht. Da bin ich doch stark von meinen Eltern geprägt. Aber ansonsten sicherlich eine Sammlung von allem. Ich find es auch schade, dass Dein Daumen drücken nicht geholfen hat. Nun.. schauen wir einfach weiter.

      Gruß
      Anja

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    2. Schade :-( Aber lass' Dich bitte nicht zu sehr runterziehen. Du erlebst doch gerade eine so tolle Zeit!

      Fühle dich geherzt!

      Liebe Grüße
      Rainer

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  9. Wie schön, dass du meinem Tipp gefolgt bist - und auch noch Schuhe gefunden hast!
    Und die Krise hast du einfach angenommen, das war das Beste, was du machen konntest, dadurch hast du ihr die Macht genommen. :-)

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  10. Liebe Anja,

    jetzt habe ich alle Deine Beiträge, von Tag 1 bis heute durchgelesen und ich bin begeistert!! Was für eine Reise und Du bist immer noch mitten drin - herrlich!!

    Was da jeden Tag in verschiedene Küchen gezaubert wird hört sich richtig lecker an - möchtest Du nicht mal die Rezepte irgendwo aufschreiben? Schöne Gespräche, herrliche Stadtspaziergänge (auch wenn die Füße weh tun...), wunderbare Naturerlebnisse - es hört sich alles sehr schön an! Außer Deine kleine Krise gestern - zum Glück weiß Frau sich zu helfen und Krise ist überwunden!

    Es tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe, aber jetzt werde ich Dich auf jeden Fall täglich folgen und ich freue mich schon auf Dein nächster Beitrag!!

    Ganz liebe Grüße Anna

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    1. Hallo Anna,

      das mit den Rezepten ist eine gute Idee. Ich pack die vielleicht mal ans Ende der Reise in einen Beitrag zusammen.

      Danke fürs Mitreisen.

      Gruß
      Anja

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  11. Krisenbewältigung in der Natur kann ich nur zu gut nachvollziehen, bei den Schuhen weniger ;-). Liegt aber wohl auch am Angebot hier, denn wenn ich wirklich was suche, finde ich es nicht.
    Schöne Winterbilder und bei der Begegnung wäre ich wohl auch vorsichtig gewesen. Pass weiter auf dich auf.

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    1. Liebe Anett,

      wie, Du hast nicht die Möglichkeit, Krisen mit Schuhen zu begegnen? Das ist aber in der Tat doof. :-)

      Gruß
      Anja

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