Samstag, 23. Januar 2016

Tag 9 - München

Probanden: Gabriele, Herbert

Sport: Gedächtnistraining
Essen: Taboulé, Falaffel, Sendi

Kurz zur Erklärung. Gabriele und ich sind uns damals mit dem Rest der Münchner Mannschaft im Laufform begegnet. Zu den guten alten Zeiten, als es noch Laufen Aktuell hieß. Sie bloggte damals ebenfalls, wir fanden uns in einem kleinen Splitterforum wieder und ich besuchte schon vor vielen Jahren die Münchner Laufgruppe, um gemeinsam Läufe zu machen und damals noch Schweinsbraten zu essen (Uschi... you remember?). 
Bei Gabriele ist alles entspannt. Ich stehe mit meinem WoMo vor der Tür (halb auf dem Bürgersteig), hab einen Hausschlüssel und wir treffen uns das erste mal, als ich morgens die Waschräume nutzen und sie die Küche im Bademantel betreten will. Da macht sie noch einen harmlosen Eindruck. Was diese Frau genau auf dem Kerbholz hat, ergibt sich erst später.

Bei den Fs zu Hause gibt es am Wochenende Obst. Für mich endlich die Gelegenheit, mal etwas aus meinem Kühlschrank beizusteuern und mein Sojajoghurt freut sich, noch vor dem Verfallsdatum seiner Bestimmung übergeben zu werden.

Eisregen ist bundesweit angekündigt, zumindest in Bayern haben sie damit Recht. Während Gabriele strammen Schrittes zur S-Bahn geht/gehen könnte, schliddere ich auf dem Eis hilflos durch die Gegend. Merke: Die Sohlen von El Naturalista-Schuhen eigenen sich nicht wirklich gut für Glatteis. Wir verpassen damit die Bahn aber nicht unsere schlechte Laune. Damit gibt es genug Zeit, dass wir mit dem Fahrkartenschalter kämpfen und irgendwann die richtige Karte finden.

Der Plan ist, in die Münchner Innenstadt zu fahren und München von seinem Ursprung her zu erkunden. Damit gehen wir erstmal zum Alten Hof. Ich werde hier auf die geschichtlichen Gegebenheiten nicht näher eingehen nur auf die Besonderheiten von Gabriele. Ähnlich wie bei Rainer in Trier verfügt Gabriele über ein dermaßen fundiertes Geschichts- und Stadtwissen, dass es mich über den Tag ziemlich flasht. Irgendwann ist mein Festpeicher voll und alles, was dann noch kommt, wird wohl zum späteren Zeitpunkt und nach Defragmentierung der Platte neu gespeichert werden müssen.

Kaiser Ludwig hier ist es auf jeden Fall recht kalt und jemand hat ihm eine Mütze aufgesetzt, find ich nett.

Im Alten Hof gibt es eine sehr anschauliche Ausstellung und Video-Dokumentation der Entstehung der Stadt München. Mir persönlich war nicht klar, dass die Größe der Stadt noch extrem jung ist. Generell ist München noch gar nicht soooo alt, verglichen mit Köln. Aber die heutige Größe und Bedeutung ist erst in den letzten 150 Jahren entstanden.

Gabriele vermeidet große Menschenansammlungen in der gefüllten Innenstadt gar meisterlich. Trotzdem kommen wir gerade am Marienplatz vorbei, als das Glockenspiel am Rathaus losgeht.

Neben den japanischen Touristen stellen wir uns auch in die Reihe und folgen dem Spiel und den Tänzen der Schäffler.




Die Brust der Julia ist blank gerieben. Glück soll es bringen. Ich hab ja Glück, ich brauch das nicht mehr und bleibe bei einem fotografischen Festhalten der schönen Frau.

Weiter geht es kreuz und quer durch die Stadt, immer mit viel geschichtlichem Hintergrund.
Der Viktualienmarkt darf nicht fehlen. Die Figürchen hier sind Münchner Volkssänger, also quasi die Ostermänner der Münchner.

Im letzten Jahr war ich auch genau zu diesem Zeitpunkt hier, es ist ein wenig schade, dass ich den Markt nicht in seiner sommerlichen Fülle sehe kann. Muss ich halt noch mal wieder kommen.



Ich werde zu einem Kuriosum geführt, einer gar prachtvollen Kirche, eingebettet in Wohnhäuser. der Asamkirche.


Man weiß gar nicht, wohin man den Blick wenden soll. Und dann kommen wir wieder irgendwo ums Eck und "bähm" blinkt uns die frisch renovierte St. Michael-Kirche an.


Innen und Außen ein Highlight.


Wir besuchen im St. Michael die Gruft der Wittelsbacher (Zitat Gabriele: Die waren früher besser vernetzt als wir es heute sind) und das Grab des Ludwig des II.

Jetzt hat sich mein Kopf aber ne Pause verdient und ich folge gerne dem Vorschlag, auf dem Dach des Hotel Bayerischer Hof ein Perlgetränk zu konsumieren. Wunderbar liegt uns die Stadt zu Füßen.


Damit wir aber nicht Insolvenz anmelden müssen, wird zu Mittag anderweitig gegessen. Das Literaturhaus gibt uns Obdach, Essen und Trinken und Lebensphilosphien.


Mit Energie gehts weiter. Der Hofgarten wird besucht ...


.. und anschließend den Fußweg in den Indoor-Bereich, der Residenz, verlegt.





Mit diesem Prunk und den extrem wechselnden Bau-/Einrichtungsstilen (Zitat Gabriele: Hier muss man schon ein festes Gemüt haben) gönnen wir uns nen Kaffee im Orlando. Ein kurzer Ausflug in die aus Film, Funk und Fernsehen bekannte "Kaffeerösterei" lässt mich zu einem Selfie hinreißen - das ist ganz speziell für meinen Besten gedacht - Insider-Witz.


Nach so viel Kultur geht es.. na was? Zur weiteren Kultur.

Mit Gabriele und Herbert geht es (ohne sich vorher noch aufzuhübschen sondern nur Schuhe- und Jackenwecksel) in die Bayerische Staatsoper. Ich liebe Oper, besuche sie aber extrem selten. Wenn man aus dem Rheinland kommt und dort Opernhäuser besucht, dann ist man architektonisch nicht sonderlich verwöhnt.

Die Bayern waren im Gegensatz zu den Rheinländern so schlau, die zerbombten Bauwerke wieder herzurichten. So strahlt mich das Innenleben der Oper an.



Wir sitzen im Parkett, Mitte/Mitte, und über mir direkt die Königsloge. Tolles Ambiente. Die französische Oper Dialogues des Carmélites gehört jetzt nicht unbedingt zur leichten Kost und ich bin auch noch recht müde. Aber es ist trotzdem ein schöner Abend.


Ich komme in den Genuss einer Tradition im Hause G+H, dem Nach-Oper-quasi-Mitternachts-Imbiss. Falaffel und Taboulé für mich. Ich mix mir noch Sendi dazu. Und dann falle ich aber auch komatös in mein Bett.

PS: Da es schon Stimmen gab wie "oh, so ein Programm kann ich aber nicht bieten". Seid Euch gewiss - so ein Programm würde ich jeden Tag nicht aushalten und ich freue mich über jeden, der mir seine Stadt oder Umgebung zeigt aber ich erwarte selbstverständlich rein gar nichts. Bin ja schon groß. :-)

Ich möchte mich hier - jetzt noch vor dem Frühstück und Abschied von Gabriele und Herbert - ganz herzlich für die sehr entspannte Gastfreundschaft und die viele Zeit bedanken. Ich weiß, dass Ihr so viel Zeit gerade gar nicht zur Verfügung habt und damit noch mal ein ganz besonderes:

Danke!

Kommentare:

  1. Liebe Anja,
    danke für den vorletzten Absatz! ;) Habe gerade beim Lesen fieberhaft überlegt, wo ich mir noch schnell "Kulturwissen" anlesen könnte! (Gegen Fremdenführer Rainer (Gabriele kenn ich ja nicht), bin ich jedenfalls ein ahnungsloses Menschlein.)
    Und glaub mir: auch mit guter Sohle rutscht es sich ganz wunderbar... ich komme gerade vom Morgenspaziergang mit Chaya zurück, der mich sehr an Bambi auf dem Eis erinnerte! :D

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    1. Liebe Doris,

      ein schöner Spaziergang durch die hoffentlich noch verschneite Wallersee-Landschaft wäre auch toll. Aber ich freue mich inbesondere, Dich zu treffen/kennen zu lernen.

      Gruß
      Anja

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  2. Uff. Boah, was für ein Programm! Gabriele ist da wohl zu ihrer Höchstform aufgelaufen. Und: natürlich erinnere ich mich an deine Schweinebratenzeiten ;).

    Morgen bist du ja bei mir. Ich versichere dir, es wird entspannt, sehr entspannt. Ich freu mich auf dich!

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  3. Grüß Gott, nein, wir müssen uns keine Sorgen um dich machen, es geht dir rundum gut, dazu noch ein Tag in Bayerns Hauptstadt, an dem es dir gut ging, und heute nochmals alles Gute auch hier für dich und deine Zukunft !

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    1. Nein, Ihr müsst Euch wirklich keine Sorgen machen. :-)

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  4. Welch ein erlebnisreicher Tag! Und München Teil II folgt ja noch. Ich wünsch dir einen wunderbaren Tag heute! :-)

    Viele Grüße,
    Anne

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    1. Teil II und Teil III aber ohne noch mal in die Stadt zu kommen.

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  5. WOW! Wo kann man Gabriele buchen? Würde mir auch nicht schaden, noch ein bisschen über dieses Großdorf, das nach und nach zum Städtchen mutiert ist, zu erfahren ;)

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  6. Liebe Anja,
    ooooh, klasse Programm, ein paar Punkte habe ich ja noch frisch in Erinnerung (Asamkirche, Hofgarten, Marienplatz), aber wie ich hier sehe, gäbe es noch viel mehr zu entdecken. Und Chapeau, nach einem solchen Tag noch Oper - da wäre ich wohl "erschossen". Den Mitternachtsimbiss hattet Ihr Euche verdient!
    Liebe Grüße und weiter eine schöne Zeit!
    Elke

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    1. Liebe Elke,

      vielen Dank - das war schon Hardcore-Touri-Programm aber echt schön.

      Gruß
      Anja

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  7. Huh... da wird man ja fast müde nur vom mitlesen... das glaube ich gerne, dass Dein Kopf am Ende des Tages müde war - toll, was sie sich da alles für Dich ausgedacht haben!! :-)
    Ganz liebe Grüße Anna

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    1. Ja, Anna, ich bin hin und weg was teilweise doch sehr fremde Leute - also Menschen, die ich nur übers Netz kenne oder erst 1-2 x getroffen hab - für mich machen. Tolle Erfahrung!

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  8. Oh, so ein Programm kann ich aber nicht bieten! :-)))

    Prunk und Glanz, Gold und Schörkel haben ja durchaus seinen Reiz. Warum gucke ich gerne die Sissi-Triologie :-))

    Da hast Du viel von München gesehen, so einen tiefen Einblick in die Stadt habe ich noch nicht erlangt. Aber mir reicht auch eine Maß im Biergarten :-))


    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,

      für den Biergarten war es jetzt etwas zu kalt. Wenn Du gerne Sissi schaust, dann wäre das echt was für Dich gewesen.

      Ich freue mich auf die Hunte in Oldenburg (und natürlich auf Dich;-))

      Gruß
      Anja

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  9. Liebe Anja,

    ein tolles Programm. Die Wittelsbacher sind natürlich kein schlechter Kontrast zu den Römern von Trier. Aber so interessanten Tag in München ... dagegen hätte ich auch nicths einzuwenden.
    Danke für die tollen Fotos!

    Liebe Grüße
    Rainer

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