Dienstag, 2. Februar 2016

Tag 19 - Neuwiedropolis

Probanden: Frau Mohr und der Rheinsteig 

Sport: knapp 11 km Wandern auf dem Rheinsteig 

Essen: Rote-Bete-Risotto mit Thymian und Oliventofu 

Frau Mohr war die Erste. Frau Mohr ist an allem schuld. Damals, als wir uns im Laufen Aktuell über den Weg liefen (ha ha, welch Wortspiel) und sie meinte, dass wir uns noch mal in der Realität treffen sollten. Seitdem verbinde ich mit dem 4711-Haus in Köln Gott sei Dank nicht mehr den Duft eines gruseligen Wässerchens sondern den Treffpunkt  mit einem tollen Menschen. 

Wer Daniela nicht kennt (gibt es Leute, die Daniela nicht kennen?), sollte unbedingt durch Ihren Blog cruisen. Tolle vegane Rezepte, schöne Fotografie, großartige, witzige Schreiberei. Ein Multitalent ist sie - jawoll! Und aber im Besonderen ist sie ne super Freundin, der man auch bei Krisen während so einer Tour die whatsapp-Box zutexten kann oder - wie dann eben heute - man über ernste Themen viel lachen kann. Toll ist sie und ehrlich und toll ... erwähnte ich das schon? 

Da ich schon früh in Neuwied eintrudeln würde und Frau Mohr ja einer beruflichen Tätigkeit nachgeht, empfiehlt sie mir für meine gewünschte Wanderung den Rheinsteig-Rundweg Fürstenweg. Der soll schön sein und mir noch einen Wunschbaum präsentieren. Da bin ich mal gespannt. 



Über den Weg und die Wanderung sei so viel zu sagen: Er ist schön, er geht ziemlich hoch und runter somit komme ich ordentlich ans Keuchen und Schwitzen - DAS hat mir Frau Mohr nicht gesagt, also perfekt ist sie auch nicht.



Diesen großen Hang quere ich recht am Anfang und realisiere, dass dieser komplett von Wildschweinen umgepflügt  wurde. Ich geb zu, dass mir das ein wenig Unwohlsein verschafft. Frau Mohr tröstet mich via Facebook damit, dass ich das schnell vergessen werde, sobald der Wiedtal-Ripper um die Ecke kommt (um das zu verstehen, muss man ihre Wanderberichte lesen).

Sowohl der Ripper als auch die Wildschweine bleiben unsichtbar, dafür zeigen sich ein paar Rehe und der Rheinsteig von seiner schönsten Seite. Lediglich der unbelaubte Wald zeigt auch ne Weile die Sicht  auf eine Straße, was im Sommer so nicht wahrgenommen werden wird.











Oben an den Streuobst-Wiesen gibt es einen fantastischen Blick auf das Rheintal und es riecht sehr stark (aber nicht unangenehm) nach vergorenem Obst - die Bäume haben ihre Pracht einfach auf die Erde fallen lassen und da verrottet es jetzt seinem Schicksal entgegen. 

Auf der ganzen Strecke suche ich den Wunschbaum, natürlich habe ich vergessen, mir Papier und Stift und Befestigungsmöglichkeiten einzustecken aber sehen möchte ich ihn schon. Er wird mir verborgen bleiben und ich erfahre, dass er sich wohl an dem Parkplatz befindet, auf die mein Schaukelmobil die ganze Zeit auf mich wartet.



Umarme ich doch stattdessen einfach mal eine alte Eiche. O. k., umarmen geht nicht aber einfach mal die Hände dran halten und schauen, was passiert. Passiert nix, die ollen Bäume sprechen einfach nicht mit mir. 

Meine Wanderstiefel haben den Boden der kompletten 11 km unter sich versammelt, ich selbst bin ziemlich modrig aber ich steuere jetzt ja auch den Campingplatz in Leutesdorf an - warme Duschen, ich freue mich darauf. 

Und dann tauche ich ein, in die Camperidylle des Grauens, die Welt der Dauercamper Stufe C, in die Abgründe der Bewohner von Knaus und Tabbert. Also, es gibt Campingplätze und Campingplätze. Die meiste Zeit hab ich diese ja gar nicht benutzt aber die, die ich davor hatte, waren welche, die von wechselnden Besuchern genutzt werden. Leutesdorf so anders, hier wohnen/dauercampen Menschen aber nicht besonders schön und ich tauche in ein Paralleluniversum ein. 

Die Dame, die mit dem Platz zuweist, ist durchaus nett. Ich schaue kurz in die Duschräume und denke "Geht ja". Als ich dann später mit dem Handtuch und Klamotten ausgestattet in die Nasszelle trete, um zu duschen, steht die Tür offen und Zigarettenqualm schlägt mir entgegen. Eine Person mit einem Schal um den Kopf und wild durchs Gesicht gewickelt ist die Schuldige und steht rauchend und mit GEÖFFNETEM Regenschirm im Duschraum. 

Mir entfährt ein erschrocken-entsetztes "Was ist das denn?", wohin sie mir entgegnet: "Ich lasse die Tür offen, damit der Dampf entweichen kann und das mit dem Verband ist halt so." O. k., ich wollte sie gar nicht bloßstellen, weil sie - aus welchem Grund noch immer - ihr Gesicht verbinden muss. Ich war nur entsetzt, weil sie in Duschraum rauchte und die Tür offen stand was den ganzen Raum nicht gerade wärmer werden ließ. Außerdem ergibt es total wenig Sinn, wenn es draußen eine Luftfeuchtigkeit durch Regen von 100 % hat, den Duschraum entfeuchten zu wollen.

Ich sage dann den für Sie wohl lustigen Satz: "Ich mach mal das Licht an.", worauf sie meint: "Ist denn  schon Strom da?" Und in der Tat… Der Strom scheint rationalisiert zu sein. Aber ich muss wohl von Glück reden, dass die Dusche zumindest warmes Wasser ausspuckt.

Ich warne Daniela vor, denn sie kommt zum Abendessen in mein WoMo. Als sie dann - und es ist schon dunkel - wirklich von meinem Heim steht, steht ihr der Schrecken ins Gesicht geschrieben, Panik, nackte Angst macht sich breit. Ich hole sie schnell in mein Heim, wie riegeln die Türen ab und als ich sage, dass ich noch mal todesmutig raus muss, um Wasser zu holen, hängt sie mir fast am Fuß, um mich nicht rauszulassen. 

Zum Abend sei nur soviel gesagt, dass wir viel Quatschen, viel Lachen, viele Geschichten erzählen, Risotto kochen, ich Rotwein, sie Wasser trinkt. Es waren kurze 2-3 Stunden, die wir hatten und ich bin froh, dass das Treffen auf meiner Tour geklappt hat. Ohne Daniela wäre es nicht vollständig gewesen und überhaupt, habe ich genau das Treffen und das Gespräch gebraucht. 









Jetzt geht es für ein paar Tage nach Hause, mal schauen, wie es meinem Besten geht und ob unser Heim noch da ist. Das ist also der letzte Bericht für die erste Stufe meiner Reise. Jetzt erst mal Karneval feiern und dann geht es weiter Richtung Norden ich freue mich schon darauf.

Kommentare:

  1. Liebe Anja,
    auch wenn das Treffen mit Frau Mohr an einem Ort stattfand, der nicht gerade die besten Chancen hat, in deine TopTen der schönsten Übernachtungsplätze aufgenommen zu werden, so scheint es doch der perfekte Abschluß für die Stufe 1 deiner Reise gewesen zu sein! :)
    Toll dass du dich den Wildschweinen, Würgern, Steigungen zum Trotz dem Rheinsteig entlanggehantelt hast. Und jetzt erst mal viel Spass beim Karneval und ich harre derweilen der Stufe 2! :D

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    1. Liebe Doris,

      vielen Dank.. Sonntag/Montag ist mit den ersten Berichten zu rechnen. ;-)

      Gruß
      Anja

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  2. Also von 3 möglichen waren wenigstens 2 Top - eine herrliche Wanderung (sehr schöne Bilder!!) und eine herrliche Begegnung! :-)
    Wenigstens kannst Du Dich jetzt ein paar Tage im trauten Heim vom Erlebnis am Horror-Campingplatz erholen, vor Deiner Reise weiter geht!
    Liebe Grüße Anna

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    1. Liebe Anna,

      Horror-Campingplatz - aber echt. Aber diese Erlebnisse gehören wohl zu einer Reise dazu und machen sie erst zu einem kleinen Mini-Abenteuer.
      Gruß
      Anja

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  3. *Anja hinterherzuhetzen versuchend* ... ACH, keine Chance - DAS Tempo schaffe ich in diesem Leben nicht mehr ... Gut, dass du mir jetzt eine kleine Anschließ-Lesepause gönnst ;-) Ah ... Bin ja schon da :o)

    Von Volker, dem ich gestern kurz zusammenfasste, was du nach dem Besuch bei uns so weiter getrieben bzw. wohin es sich getrieben hat, soll ich ausrichten: "Puh, das ist ja STRESS!" ... Aber nein, keine Erklärung mir gegenüber mehr notwendig. Weiß ich doch inzwischen, dass es DEIN Tempo ist und in dem Moment, wo du es vorgibst, eben für dich maximal positiver Stress ist :) Trotzdem: ein gigantisches Aufnahmevermögen für Orte, Mensch und Tier, Erzählungen und ... Soll ich das jetzt schreiben? ... Kochgenüsse ;o), das würde ich dir jederzeit bescheinigen.

    Freue mich schon auf Teil II

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    1. Liebe Lizzy,

      das war wirklich kein Stress - das liegt ja an einem selbst. Trotzdem bin ich nicht unfroh, dass ich bei der nächsten Etappe mehr Zeit zwischendurch hab, das ist schon genau so richtig.

      Ich find es bezaubernd, dass Ihr mir alle folgt. Danke dafür.

      Gruß
      Anja

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  4. Liebe Anja,
    was bitte ist der Wunschbaum? Wie funktioniert der? Und funktioniert der zuverlässig??? Ich hätte da ein paar Wünsche ...
    Na ich kann mir halbwegs vorstellen, wie Euer Treffen war, so nach den lustigen Wanderposts von vor einer Weile :-)
    Und hättest Du es nicht selber geschrieben, wäre mir ohnehin klar, dass Anja rechtzeitig zum Fasteleer op heem an schwenk'...
    Hab eine schöne tolle Zeit und dann weiter auf zu neuen Taten, äh, Kochbesuchsreisen!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,
      da ich den Wunschbaum ja nicht getroffen habe, musst Du Daniela fragen.
      Der Besuch im Rheinland ist kurz aber notwendig. Samstag geht es schon wieder weiter.
      Gruß
      Anja

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  5. Liebe Anja, ich hatte mich schon gewundert, dass du über Karneval nicht im Rheinland bist, jetzt endlich DIE Nachricht, feiere nicht so arg, damit du hier noch Kräfte haben wirst !!

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    1. Liebe Margitta,

      nein, das teile ich mir ein. Donnerstag volle Kanne. Freitag ein bisschen und Samstag bin ich dann fit für die Weiterreise. :-)

      Gruß
      Anja

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  6. Ach, ist schon wieder Karneval? :-)

    Liebe Grüße
    Volker

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  7. Liebe Anja,

    ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Treffen besonders viel Spaß gemacht hat. Wenn Frau Mohr im wahren Leben nur halb so quirlig und witzig ist wie ihre Posts, dann steht das außer Frage.

    Ich habe bei Deinen Schilderungen zu dem Campingplatz an ein Erlebnis in Marseille gedacht. Da haben wir mal auf einem Platz übernachtet, der auf einer Verkehrsinsel in einem Kreisverkehr liegt. Furchtbar. In Erinnerung geblieben ist mir ein Schild mit einem grinsenden Gesicht und der Aufschrift Souriez quand même! ...

    Liebe Grüße
    Rainer

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