Montag, 8. Februar 2016

Tag 20/21 - Oldenburg

Probanden: Volker, Jens

Sport: 15 km Wanderung an der Hunte

Essen: Pizza Verdura, Spinatpancakes mit Pilzen und Räuchertofu

Warnung: Ich vermute, der Eintrag wird seeeehr lang.

"Das kommt alles in den Blog." Wenn es eine Unterüberschrift gäbe - die müsste es sein. Wir drohen uns ständig gegenseitig damit... wenn ich den Backofen falsch einstelle, wenn eine pikante Information mitgeteilt wird.

Aber erstmal zur Zwischenzeit:

Es ist Karneval in Köln und ich möchte mit meinem Mädels wie jedes Jahr die Rheinterrassen unsicher machen. Es ist ein Risiko, so eine Reise zu unterbrechen und in den Alltag einzutauchen. Ich glaube, ich hab es ganz gut gemeistert. Auf jeden Fall haben wir es Donnerstag wieder richtig krachen lassen. Wie immer, schon lang bewährte Karnevalsbekannte getroffen (Gruß nach Frankfurt) und neue kennen gelernt. Immer wieder schön, immer wieder bunt.

Den Freitag nutzte ich zur Regeneration, man ist ja schließlich nicht mehr die Jüngste. Den Zug im Ort ließen wir mangels Lust und aufgrund des nicht so schönen Wetters einfach mal ausfallen. Nächstes Jahr wieder, ist ja auch Tradition.

Am Samstag war dann für mich kein Halten mehr, mein Mobil wieder gerichtet, alle Tanks aufgefüllt oder abgelassen, einmal feucht durchgefeudelt und dann ging es ab Richtung Oldenburg. Kurzer Zwischenstopp in Münster und am Nachmittag traf ich dann bei Volker ein. Wieder eines dieser Blogger-Blind-Dates aber ich wusste - und das kann ich vorwegnehmen - dass es ein tolles Treffen werden würde.


Es gibt ja hier in der Leserschaft einige Menschen, die sowohl Volker als auch mich kennen und Ihr könnt Euch vorstellen, dass wir direkt in intensivste Gespräche losstiefelten.

Dazu gabs dann ein echtes Oldenburger Sektchen. Volker hatte recht massiv (oder soll ich sagen penetrant;-)) darauf aufmerksam gemacht, dass er Hefeteig liebt. Das nehm ich doch gerne auf - soll er bekommen. Ich schlage 2 Fliegen mit einer Klappe (uhhh... das ist nicht vegan) und bereite meinen Lieblingspizzateig schon Weiberdonnerstag vor - so kräftigen wir uns dort mit einer vegetarischen Pizza vor der Feierei und dieser Hefeteig gewinnt immer, wenn er ein paar Tage im Kühlschrank ruht - damit profitieren dann auch Volker und Jens davon.

Gierig wie ich bin, hab ich völlig ignoriert, dass Jens, der noch bis spät arbeiten musste, vielleicht auch gerne mit uns gemeinsam gegessen hätte und ich fange an, die Küche einzunehmen und die Pizza zu backen.

Jens war nur ein kleines bisschen geknickt, als er alleine essen musste. Wir plauderten bis recht spät in die Nacht, köpften noch ne 2. Flasche Sekt und so beseelt legte ich mich - leider für eine extrem kurze Nacht - in mein Wohnmobil. Warum ich ausgerechnet um 3.00 Uhr morgens schon hellwach sein muss, erschließt sich mir nicht. Wird es nie.

Hefeteig versprochen? So ne Pizza ist ja viel zu profan.

Und so schleiche ich mir morgens um 6:45 Uhr in ein Haus von Menschen, die ich am Tag vorher das erste mal persönlich getroffen habe. Und während die noch schön vor sich hin schlafen, mache ich mich in der Küche zu schaffen.

So ein Hefeteig braucht ja Zeit und ich möchte Volker und Jens gerne meinen Nussstriezel zubereiten - nicht ganz uneigennützig, geb ich zu. Ich mag ja auch gerne Hefeteig und dieses Nussgebäck im Besonderen.

Nachdem ich dann schon so 2 Stunden ruhmgefuhrwerkt hab, das WLan leergesaugt hab (was nicht so einfach war... Stichwort Handschrift... kommt alles in den Blog;-))), stehen auch die Herren des Hauses auf. Volker reitet los, um Brötchen zu erlegen und Jens macht sich auf, um seinem Zweitjob nachzugehen - komme ich später noch zu.

Während wir frühstücken, darf sich der Nussstriezel im Backofen bräunen - das gelingt etwas zu gut. Der Backofen von Volker bräunt anders als meiner zu Hause.

Und ein Brötchen und anhaltende Gespräch später starten Volker und ich auf unsere Wanderung.

Sein Laufgebiet - die Hunte, die Bornhorster Wiesen, das möchte er mir zeigen und das möchte ich gerne kennen lernen.

Reetgedeckte Häuser säumen den Weg raus aus dem Ort.


Wilde Tiere auf der Strecke.


Was es mit diesen Gesellen auf sich hat, konnte Volker mir nicht sagen - vielleicht ist es einfach Kunst in der Natur.


Romantische Bootsszenarien am Großen Bornhorster See.


Und weil wir ja Glückskinder sieht, zieht sich der Himmel auf, wir sehen blaue Flecken, die immer größer werden und tolle Wolkenspiele.


Die Bornhorster Wiesen - schon so auf bei Volker aufm Blog gesehen - im Hintergrund die Hunte-Brücke und durch den Sonnenschein in wunderbarstem Blau-Grün-Kontrast.


Volker und sein Reich!


Und die Hunte in ihrer ganzen Pracht, überzogen von wunderbaren Wolkenbändern.


Immer wieder erheben sich große Schwärme von Enten, die auf den Wiesen paddeln und sich mit großem Geschnatter in die Lüfte erheben.


Wir futtern zwischendurch unsere Wegzehrung - Gott sei Dank hat Volker mich zu einem Mitnehmbrötchen überredet, ich wäre sonst elendig an der Hunte verhungert und das muss ja auch nicht sein.

Aber so verfüge ich noch über die Kraft, die all den Volker folgenden Laufbloggern bekannte Huntebrücketreppe zu ersteigen.


Und da steht der Held der Huntebrücke - wir sind uns einig, dass das Runterhopsen von der Brücke (was wohl tragischerweise mehrfach im Jahr passiert) für uns keine Option ist und so gehen wir die Rampe runter und wieder Richtung Heim.


Und nach 15 wunderbaren Kilometern haben wir uns den Nussstriezel mehr als verdient. Ich nutze die tolle Deko von Jens, um das Backwerk abzulichten.


Nach der Stärkung packen Jens und Volker mich ins Auto, um mir noch die Oldenburger Innenstadt zu zeigen. Hier kurzer Schwenk zu Volkers Mißgeschick (für das er mich die ganze Zeit verantwortlich machen wollte). Wir hatten verabredet, dass ich alles fürs Essen mitbringe (mir war ja gar nicht klar, in welche Nervosität ein Besuch einer Veganerin die Menschheit versetzen kann) und Volker mir nen trockenen Rotwein kredenzt. Dass er so ungeschickt durch die Kurven fliegt und dabei eine Flasche zu Bruch geht und sein kleines Auto in Alkohol ertränkt, liegt nicht in meiner Verantwortung. Aber echt jetzt mal.

Es riecht leicht nach angeranzter Kneipe in Volkers Auto.. aber das geht schon.

Selfie vor dem Rathaus.





Das Oldenburger Schloss.



Und Selfie Herrenbild mit Dame!


In einem Café treffe ich/treffen wir noch für ein Stündchen einen Noch-Kollegen, der in Oldenburg wohnt und der die Gelegenheit nutzen wollte, sich von mir zu verabschieden. Das war wirklich schön, wenn es auch schon wieder ein Abschied war.

So viele Abschiede in den letzten Wochen. Abschiede von den mir sehr lieb gewonnenen Kollegen und Mitarbeitern, Abschied von zu Hause, Abschiede auf der Tour von lieben Menschen aber auch von liebgewonnenen Gedanken und Philosophien. Nicht alles leicht aber auch gut. Alles gut.

Bei Volker und Jens zu Hause entern wir wieder die Küche. Während Volker und ich  kochen, deckt Jens stilvoll den Tisch.

Nun kenn ich mich ja schon nach 1,5 Tagen gut in der Küche der Jungs aus aber es verwirrt mich total, dass viele Dinge mehrfach vorhanden sind. Das kommt davon, wenn einer der Bewohner sich beruflich mit Haushaltsartikeln beschäftigt. Durch meine Leidenschaft fürs Kochen hab ich natürlich ein Faible für gute Küchenutensilien und unterbreite Jens einen Heiratsantrag, wenn mit ihm gemeinsam diese Artikel in meinen Haushalt einziehen. Warum er darüber nur gelacht hat, hat sich mir nicht erschlossen - so häufig unterbreite ich keine Heiratsanträge.

Schon während der Essenszubereitung quatschen wir viel und das soll sich während und nach dem Essen noch intensivieren.


Aber hier erstmal noch ein Bild vom stilvol gedeckten Tisch. Ich hatte totale Panik, dass ich mit meiner durchaus schon mal auftretenden Ungeschicklichkeit die tollen Gläser zerdeppere oder Rotweinflecken auf die Tischsets zaubere. Aber Jens ist entspannt, ok, dann bin ich es auch.

Generell befindet man sich durch Jens Zweitjob, der sich mit Dekoartikeln beschäftigt, in einer permanenten Ausstellung. Für mich als Deko-Legasthenikerin total schön anzusehen. Aber Staubwischen möcht ich das auch nicht.


Was dann nach dem Essen an Gesprächen folgt, war einfach das Tüpfelchen auf dem "i". Und nein, das gehört nicht alles in den Blog. Das gehört in den Kopf und ins Herz und ich bin so dankbar für die tollen 1,5 Tage mit Euch, lieber Volker, lieber Jens.

Und dann schenkt mir Jens auch noch diesen Kerl zum Abschied, der mich begleiten und auf mich aufpassen soll. Ich fürchte zwar jetzt große Eifersüchteleien mit dem schwarzen Reisebären, den ich leider zu Hause vergessen hab aber ich werde auch das noch hinbekommen.


Die Beiden bringen mich noch in mein Wohnmobil - wieder ein Abschied. Aber ohne den Abschied hätte ich die Menschen nicht kennen gelernt und das wäre schade drum.

Kommentare:

  1. Hach, wunderbar! Die beiden Herren scheinen ja wirklich besonders nette Exemplare zu sein :-)
    Ich kann absolut nachvollziehen, dass du dort einen tollen Tag, bzw. zwei tolle Tage hattest!

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    1. Zwei nette Exemplare, haha. Ich hoffe aber das wir nicht vom Aussterben bedroht sind ;-))

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    2. Ja, wirklich 2 nette Exemplare... vom Aussterben bedroht? Das hoffe ich doch wirklich nicht.

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  2. Herrlich, liebe Anja, Dein Besuch bei Volker und Jens hört sich einfach nur herrlich an!! Schöne Gespräche, gutes Essen (wie immer), herrliches Wetter und wunderbare Natur (wenn auch etwas flach für meine Geschmack... ;-) )

    Also, ich würde ja den Sekt die Schuld geben, für das frühe aufwachen... ;-)

    So viele schöne Begegnungen führen natürlich auch viele weniger schöne Abschiede mit sich - das Gute daran, man sieht sich bald wieder - zumindest virtuell!!

    Liebe Grüße Anna

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    1. Liebe Anna,

      der Sekt, meine Gedanken, meine generellen Schlafproblematiken... irgendwas wird es gewesen sein.

      Man kommt als Fremder und geht als Freund - das hat was, da kann man auch Abschiede hinnehmen.

      Gruß
      Anja

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  3. Pöh! DU hast Sonne und blauen Himmel in Oldenburg - ein bisschen Neid kommt da schon auf. Auf die zwei tollen Tage (und das ganz ohne Karneval in Köln) mit den zwei tollen Herren sowieso.

    Was ist das für ein Hefeteig, den du tagelang im Voraus zubereitest und der es zum "Lieblingsteig" schafft? Als ebenfalls große Hefeteigliebhaberin und gerne-Bäckerin würde ich gerne mal vergleichen und hätte gerne das Rezept bitte :o)

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    1. Ich auch bitte, das Rezept. Der Nusszopf sieht ja wirklich sehr lecker aus!

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    2. Der Pizzateig ist von Eva (Deichrunner): http://deichrunner.typepad.com/mein_weblog/2008/05/pizza-la-marla.html

      Der Nussstriezel: http://veganitaet.blogsport.eu/2011/05/29/fluffiger-nuss-hefezopf/

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  4. Liebe Anja,
    Ich hatte keinerlei Zweifel, dass Du Dich bei Volker und Jens sehr wohl fühlen wirst. Die beiden sind einfach Menschen, wie man sie nicht so oft trifft. Und wieder ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass ich gerne dabei gewesen wäre. Hach ... Es wird wirklich Zeit für ein Laufbloggertreffen. Ich hoffe sehr, dass es beim Hospizlauf klappt und einige Leute kommen. Du bist dazu natürlich auch ganz herzlich eingeladen! Das geht auch mit dem Fahrrad, falls es mit der Lauferei noch nicht so klappen sollte.

    Und jetzt in Richtung Ostsee? Viele Spaß und weiterhin so tolle Begegnungen!

    Liebe Grüße
    Rainer

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    1. Lieber Rainer,

      wohl wahr - 2 tolle Menschen. Und gerne komme ich zu einem Treffen. Die ganze Mannschaft noch mal zusammen zu erleben, wäre großartig.

      Gruß
      Anja

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    2. Liebe Anja,

      Du kommst zum Hospizlauf? Klasse! Das freut mich riesig. Falls Du dann noch das Wohnmobil hast ... Das wäre eine Maßnahme für die 24-Stunden-Staffel ...

      Liebe Grüße
      Rainer

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  5. Liebe Anja, dass du Jens einen Heiratsantrag gemacht hast, kann ich bestens verstehen, er ist aber auch ....ach ja ! Es wundert mich überhaupt nicht, dass du es so gut angetroffen hast, schließlich habe ich ihre Gastfreundschaft auch schon vor Ort genießen dürfen.

    Was hat Jens denn nun geantwortet ?

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    1. Was ist der Jens denn aber auch? Das würde ich jetzt gerne wissen :-))

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  6. Liebe Anja,
    eine Rotweinkneipe auf 4 Rädern - wenn das mal nichts ist! Aber sicher noch getoppt von Deinen beiden wunderbaren Gastgebern. Wobei, ein Gast, der frühmorgens in die Küche schleicht und schon mal vorbereitet - Du verdienst den Ehrentitel "Heinzelmännchen des Jahres"! :-)
    Danke für die schönen Fotos. Auch wenn Volker uns immer wieder sein Revier zeigt, ich finde, jedesmal ergeben sich andere Perspektiven.
    Weiter gehts für Dich, lass Dich nicht vom Winde verwehen!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke,

      noch hat der Wind mich auf der Straße gelassen.

      Dass mich "fremde" Menschen mit ihrem Schlüssel versehen und in ihr Haus lassen, hab ich auf der Tour schon häufiger erlebt - dass ich dann tätig geworden bin, allerdings noch nicht. Gefiel mir - und mit der Küchenausstattung war es auch eine wahre Freude.

      Gruß
      Anja

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  7. Das liest sich einfach toll. Ein gelungenes Treffen, von dem Du schöne Erinnerungen in Dir trägst. Das freut mich!

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  8. Also liebe Anja, ICH habe Dich nicht einmal für das Maleur im Kofferraum verantwortlich gemacht, sondern DU hast immer wieder gesagt, dass es nur deshalb geschehen ist, weil Du Rotwein trinken wolltest! Das aber nur mal so am Rande erwähnt ;-)))))

    Liebe Anja,

    ich danke Dir für Deinen Besuch und das wir in Deinem Post so wunderbar wegkommen :-) Es war uns eine große Freude Teil Deiner Tour gewesen zu sein.

    Dich als unseren Gast gehabt zu haben, das Kochen, das daraus resultierende superleckere Essen, das Wandern, der Spaß den wir hatten, aber nicht zuletzt auch die tiefgründigen und vertraulichen Gepräche waren eine absolute Bereicherung.

    Das wir uns verstehen würden, daran hatte ich schon im Vorfeld keinen Zweifel, dass es aber so fantastatisch werden würde, das konnte ich/wir nicht ahnen.

    Der Dank geht also uneingeschränkt an Dich zurück!

    Liebe Grüße
    Jens und Volker

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  9. Liebe Anja,
    hach mir geht es wie Rainer: ich wäre gern dabeigewesen! :D

    Ich weiß gar nicht, was mir von deinem Bericht am besten gefällt... Ich freu mich einfach so für dich, dass deine Fahrt nach der kurzen Karnevalsunterbrechung, gleich so gut weiterging! :)

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