Mittwoch, 10. Februar 2016

Tag 24 - Rostock

Probanden: Anja and the blues

Sport: Kopftraining

Essen: Reste-Chili an "alles muss raus"

Um 7.00 Uhr sitze ich im Mc Café. Das ist eine mir fast lieb gewonnene Tradition geworden. Warum? Es gibt dort WLan und Sojamilch. Und selbstverständlich lehne ich ansonsten diesen ausbeutenden Konzern ab... aber wenn es dann doch so praktisch ist. So viel mal zu meiner Konsequenz,

Nachdem ich Bilder und Bericht fertig habe, gehe ich zurück zu meinem Wohnmobil, um mich auf die Reise zu machen. Eine 5-Stunden-Wanderung mit Start in Mölln hab ich mir ausgesucht.

Als ich dann alles verstaue und das Navi starte, pass ich einen Moment nicht auf. Einen klitzekleinen Moment halte ich nicht alles im Blick. Und BÄHM! da steht er vor mir, der Herr Reise-Blues! Er grinst mich kurz an und schlägt mir dann mit geballter Faust ins Gesicht. "Wow, hey... mit Dir hatte ich nach dem gestrigen Abend nicht gerechnet und schon gar nicht so massiv. Was soll das?"

"Ich wollte mich gerne noch mal in Erinnerung bringen." sagt er und da muss ich wohl mal Gewalt anwenden.

"Ich hab Dich nicht eingeladen." entgegne ich, bitte geh wieder und lass mich ich Ruhe.

"So schnell geht das aber nicht, liebe Anja. Was hast Du heute vor? 5 Stunden alleine durch die Botanik wandern? Ohne andere Menschen, ohne Ablenkung?" fragt er mich bedrohlich. "Außerdem hast Du Dir doch gestern wg. Deines Schnupfens noch ne Großpackung Taschentücher gekauft - das ist hier jetzt echt mal der richtige Zeitpunkt. Und außerdem finde ich, Du könntest die nächsten Besuche noch machen und dann mal frühzeitig nach Hause fahren."

"Nun", entgegne ich, "das seh ich jetzt aber echt mal anders. Ich schlage Dir einen Kompromiss vor: Ich steuere Rostock an, begebe mich also unter Menschen und erkunde eine Stadt und Du verlässt bitte wieder das Wohnmobil."

"Ja, vielleicht.. nicht ganz. Nimm mich bitte noch ein bisschen auf dem Weg mit, sobald die Wolken sich vom Himmel verziehen und es etwas heller wird, werde ich Dich verlassen und Dir eine schöne Reise gönnen."

So war es dann auch, es war eine lange Strecke bis Rostock und ich hatte lange eine Begleitung. Die bin ich nun wieder losgeworden und schaue mir Rostock an.

Als erstes stolpere ich über diese "hübsche" Gaststätte. Als ich sie ablichte, kommt der Betreiber aus der Tür und spricht mich an. Wir plaudern über Kölsch und Alt und über Killepitsch. Er zeigt mir die geschlossene Kneipe und klagt darüber, wie schwierig es als Kneipenbesitzer ist. Er drückt mir einen Stadtplan in die Hand und sagt mir, was ich mir anschauen soll bzw. wo ich langschlendern soll. Das war ganz gut, weil die kleine Tourist-Info nah am Hafen nämlich geschlossen hatte. Ich halte es weiter mit Frau Winnemuth oder Frau Winnemuth mit mir - einfach alles auf mich zukommen lassen. Nicht zu viel planen. Ich bekomme die ganze Reise schon Tipps zur Weiterfahrt, die ich - je nachdem - in meine Reise einfließen lasse. Das ist eine wunderbare Erfahrung.

 

So cruise ich durch die Innenstadt...


 ...frage mich, wie man an solche Gebäude Mülltonnen stellen kann...
 


... finde das Rathaus...


... und die Altstadt mit ihren schönen Gassen.



Noch ein wenig am Hafen lang...





Rostock ist eine schöne Stadt. Wie häufig im Osten ist den Städten die frische Sanierung anzusehen - bzw. teilweise auch noch in vollem Gange.

Es ist kalt geworden und ich lasse mich in einem Café nieder - die Erkältung nicht noch weiter forcieren. Wieder werde ich angesprochen - was ich da schreibe, ob das ein Tagebuch sei? Ich finde es schön, wenn Menschen einfach fragen, wonach ihnen ist. Kurz erklärt und danach dann flott auf den Campingplatz und mit Ingwertee ein wenig der Erkältung gegensteuern. Ok, so flott dann auch nicht. Als es dunkel wurde, bin ich vom Campingplatz geflüchtet. Das war mir dann doch etwas einsam so allein mitten im Wald. Nun hab ich mich irgendwo im Wohngebiet niedergeassen. Das kenne ich ja.

Heute wird noch mal für mich alleine gekocht. Alles muss raus und daraus ein Chili machen - das ist doch gar nicht so schlecht. Schmeckt auf jeden Fall gut.



Herr Blues, Sie können getrost bleiben, wo der Pfeffer wächst - da reise ich nämlich in den nächsten 1,5 Wochen nicht mehr hin.

Kommentare:

  1. Der Herr Reiseblues beehrt nur diejenigen, die seiner würdig sind und wenn du IHN zum Freund gewinnst, kann dir nix mehr passieren unterwegs ;)

    Ich muss dringend mal wieder nach Rostock. War dort direkt nach der Wende (2001 auch nochmal kurz aber da hab' ich fast nix zu sehen bekommen) und fand damals auch angesichts der noch grau-tristen DDR-Stadt schon, dass sie das Potenzial für echte Schönheit hat. Du meinst also, jetzt wäre das soweit?

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  2. Schade, dass Du Mölln ausgelassen hast. Es ist sehr schön dort, ich bin da ein Jahr zur Schule gegangen. Aber um den Blues zu entkommen war die Stadt sicher die bessere Alternative, Rostock ist aber auch was schön. An den Speicherhäusern am Hafen habe ich schon gegessen. Hach, Erinnerungen!

    Jage die Erkältung dem Reiseblues hinterher. Jetzt bloß nicht schwächeln.

    Liebe Grüße
    Volker

    (die Unterhaltung mit dem Reiseblues ist klasse!)

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  3. Liebe Anja,
    Rostock scheint sehr schön. Es gibt so viele schöne Flecken zu entdecken und Leute zu treffen, da kann sich doch Herr Reiseblues nur im Hafenbecken resigniert ersäufen!
    Na und Kölsch UND Alt in einem Ausschank, wat et nit all jit!
    Liebe Grüße
    Elke

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  4. Liebe Anja, warum kommt mir das alles so bekannt vor ?
    Hättest du mal Bescheid gesagt, ich hätte dir diese schöne Stadt gerne vorgestellt !!

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  5. Liebe Anja,
    so ein Saubär, dieser Mr. Blues... Schleicht sich so hinterlistig an, dass man nicht mehr fliehen kann und erweist sich auch noch als hartnäckig!
    Aber andererseits. So ein Sparringpartner macht oft stärker! ;)

    Deinen Bildern nach würde ich Rostock sofort besuchen... sieht alles sehr malerisch aus. :)

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  6. ...ach, da hat er sich endlich aus der Deckung getraut, der feige Hund, hm? Und SO gepflegt vom Hof gejagt! Big clap, my dear - hassejohdjemacht!!!:-)

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  7. Liebe Anja,

    den Herrn Blues hast Du gebührend verabschiedet. Aber da Du ihn inzwischen kennst, macht er Dir hoffentlich nicht mehr so viel Angst.

    Rostock scheint eine schöne Stadt zu sein. Danke für die Fotos. Denn dort war ich noch nicht. Einfach ziemlich weit weg von Trier.

    Wie ich im Fratzenbuch gesehen habe, bist Du inzwischen vermutlich in netter und aufbauender Gesellschaft. Da kommt der Herr Schleichdich eh nicht auf die Idee, sich wieder querzustellen.

    Liebe Grüße

    Rainer

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